Rezensionen/Reaktionen:

 "Der größte Fall meines Vaters"

Zdenka Beckers Roman, der so sehr mit dem Drastischen koketiert, hat auch viele komische Seiten.. Ein Stück Familiengeschichte aus der Tschechoslowakei der 1960er Jahre, die damalige Stimmung und Resignation, der Alltag in einem Land, in dem sich jeder auf seine Weise durchzuschlagen versucht: Das alles ist stimmig und mit feinem Witz beschrieben.. Was wäre wenn? Drei Worte, die den Roman in Gang halten. Er läuft auf eine wunderbare Schlußsequenz zu. Fall erledigt, Akte geschlossen. Diesmal wirklich.

Literatur und Kritik, Susanne Schaber


In “Der größte Fall meines Vaters” erzählt Zdenka Becker eine wunderbare Vater-Tochter-Geschichte, die den Leser nicht nur berührt, sondern die dabei auch zu unterhalten weiß. Zdenka Becker gelingt es flüssig und mitreißend zu erzählen, ihr Ton ist dabei häufig humorvoll, es fehlt aber auch nicht an Liebe und Warmherzigkeit. Für mich ist “Der größte Fall meines Vaters” nicht nur eine der Entdeckungen dieses Bücherfrühjahrs, sondern eine rundum gelungene Mischungen aus Kriminalroman und Familiengeschichte!

Buzzaldrins Bücher, Mara Giese


Zdenka Beckers Mörderin als Gegenbild zum perfekten sozialistischen Staat. Wenn das kein guter Stoff für einen Roman ist“, sagt der Vater zur Tochter, der er nahelegt, ebendiesen Roman zu schreiben. ... was Zdenka Becker zu Beginn ihres Romans an Leseködern auslegt, klingt nach gutem Stoff: Da wird ein „Winter der Katastrophen“ angedeutet: „die Morde, Vaters Unfall, die Ehekrise der Eltern und schließlich mein Nervenzusammenbruch“. Das verspricht doch einiges.

Die Presse, Spactrum,  Brigitte Schwens-Harrant


Bravourös gelungener Beziehungsroman, der durch das Aufrollen eines Mordfalls zusätzliche Spannungselemente bekommt.

Buchkultur Nr. 149,  Christa Nebenführ


Becker begibt sich auf eine Zeitreise in den neu entstandenen kommunistischen Staat und wirft den Blick auf eine durch den Krieg und Ideologie emotional verwahlloste Gesellschaft. Darüber hinaus zeichnet Becker ein subtiles Bild einer liebevollen Vater-Tochter-Beziehung.

Der Standard


Die österreichische Schriftstellerin Zdenka Becker spielt gekonnt mit Fakten und Fiktion und komponiert sie zu einer Kriminalgeschichte, die sie selbst nie losgelassen hat.

Brigitte Woman, Christa Roth, 10.4.2013


Unsentimental und lakonisch erzählt Becker davon, daas es nur von den Umständen abhängt und jeder "zu allem fähig" ist, zu einem Mord und zur Liebe. Beckers Roman ist eine brillante Studie einer Mörderin und eine sensible Hommage an einen liebenswerten Vater.

Furche, Christa Gürtler


Zdenka Becker beeindruckt.

Ein Buch, das nicht führt, sondern mitnimmt; sich nicht aufdrängt, sondern sich öffnet. Sehr, sehr lesenswert.

Hellweger Anzeiger, Ulchich Rubens. Laarmann, 11.5.2013


Zdenka Becker hat einen wunderbaren, warmherzigen Roman geschrieben. Um den skurrilen Mordfall, der in seiner lapidaren Schilderung noch gruseliger erscheint, als er ohnehin war, webt sie die liebevolle Vater-Tochter-Beziehung und das Ringen um die familiäre Vergangenheit. Die historisch-politischen Bedingun­gen des Schauplatzes spielen dabei eine wichtige Rolle, denn alles Geschehen ist in sie eingebettet, wird von ihnen beeinflusst. Manche halten die Fahne hoch: Die Tschechoslowakei ist ein sozialistisch fort­schrittliches Land, denn »jeder arbeitet, soviel er kann, jeder bekommt das, was er braucht.« Diese dem Volk ver­ord­ne­te und von vielen verinnerlichte Sicht konterkariert die Autorin mit etlichen Seitenhieben auf die an­geb­li­chen Errungenschaften des Sozialismus, das Kollektiv der Gleichberechtigten, in dem manche »gleich­be­rech­tig­ter« waren.
Dieses Buch habe ich in die Liste meiner 20 Lieblingsbücher im Frühjahr 2013 auf­genommen.
www.buchrezensionen.org


Wie Becker es anstellt, den grausigen Mordfall mit Reminiszenzen an Alltag und Mentalität der alten Tschechoslowakei zu verquicken, ohne zu viele Klischees zu bemühen, ist durchaus lesenswert.

Volksblatt


Beckers Roman ist eine Reise in die sozialistische Vergangenheit der Slowakei und gleichzeitig die sensible Schilderung einer Vater-Tochter-Beziehung. Dabei entwirft sie glaubwürdig Charaktere, deren Gegenwart noch maßgeblich durch vergangene Ereignisse mitbestimmt wird.

Buchprofile, Adelgundis Hovestadt


Kopf im Klo.
Gräueltat trifft Literatur: Wahre Verbrechen dienen Autoren neuerdings als Erzählstoff. Im Roman „Der größte Fall meines Vaters“ treibt eine historisch verbürgte Hackenmörderin ihr Unwesen.
Lapidar werden im Roman Zusammenhänge kommentiert. „Die Frage nach der Todesursache ist überflüssig“, meint Beckers Ermittler, mit dem körperlosen Kopf konfrontiert. Das Grauen nistet im Detail. Die Mörderin in „Der größte Fall meines Vaters“ pulverisiert eines ihrer Opfer im Holzofen. Die Asche des Ermordeten streut sie im Winter auf den Gehweg. Besucher erreichen das Haus so rutschfrei. Und nach der Tat bekommen die Kinder ihr Lieblingsessen serviert: Würstelgulasch mit Bohnen. Für Čubírkovás Untaten bringt Autorin Becker kein Verständnis auf. Dennoch unternimmt sie den letztlich scheiternden Versuch, Motivation und Handeln der Killerin wenigstens zu begreifen: „In jeder Bestie“, ist die Autorin überzeugt, „steckt eine bodenlose Geschichte.“

Profil, Wolfgang Paterno, 25.3.2013



Zdenka Becker gelingt es überzeugend, eine Gesellschaft und ihre Brüche anhand einer typischen Familie – der Familie des Ermittlers – zu veranschaulichen. So differenziert die Psychologie der Familie aus der Innensicht dargestellt ist, so fremd steht die Ich-Erzählerin vor dem Verbrechen der Mörderin – schwankend zwischen Abscheu und dem Bedürfnis, die Frau zu verstehen. Weiblichkeit und brutales Verbrechen – das wird normalerweise nicht miteinander assoziiert. Bei Becker wird der grausamen Frau (und Mutter!), die in ihrer Jugend äußerst verführerisch gewesen sein muss, die treusorgende Tochter entgegengestellt. Wo die Mörderin wohl nur Kälte erlebte, stand der Tochter immerhin ein wärmendes Nest zur Verfügung. Humor, Wärme und Empathie prägen auch dieses Buch der auf Familiengeschichten „spezialisierten“ Zdenka Becker.

Judith Leister, Literaturhaus Wien, 12.3.2013


Wunderbar erzählte Geschichte die sich in der Reflexion des Buches als sehr vielschichtig erweist. Die Schlussszene in denen der 90 jährige Polizeipräsident, sein Assistent, auch deutlich über 80 und die Pflegerin, neuernannte Sekretärin sich aufmachen um der Wiener Polizei bei der Aufklärung eines Mordfalles zu helfen ist absolut wunderbar.

Stephan Schwammel, Eschborner Zeitung, 2.3.2013


Genial und subtil enthüllt Becker die Pubertät als Schauplatz des eigentlichen Tatorts.

etcetera, Ingrid Reichel, März 2013


Kriminalroman als Ode an den Vater.Die Autorin erzählt in ihrem Roman nicht nur eine Kriminalgeschichte, sondern auch von der Geschichte der Vater-Tochter-Beziehung zwischen ihr und ihrem Vater. Sehr gefühlvoll und sehr authentisch. Ein Buch, das nicht nur Krimifans gefallen wird, soviel ist sicher.

Michaela Primessnig, Tipps regional




"Taubenflug"


"Taubenflug" … ist ein ungewöhnlich handlungsreicher Text. Sein geradezu brillanter Aufbau macht ihn spannender als so manchen Krimi. Die einzelnen Handlungsstränge – auch wenn sie alle zu einem großen Ganzen gehören – lassen sich ebenso wenig in zwei Sätzen zusammenfassen wie sich die Themen und Fragen, denen Becker auf den gut 200 Seiten nachgeht, auf wenige Stichworte reduzieren lassen. Die unglaubliche Bosheit und rücksichtlose Habgier der Menschen; der vermeintlich gut gemeinte mütterliche Drang, das Leben der Tochter zu bestimmen; die Einmaligkeit mancher Liebesbeziehungen; das sonderbare (weil ausnahmslos monogame) Liebesleben der Tauben; die friedliche Koexistenz von Katholizismus und Sozialismus; die schockierende Korruption unter dem scheinbar gerechten sozialistischen Regime; die absurden Lebensstile auf dem amerikanischen Kontinent; der private Preis einer beachtlichen wissenschaftlichen Karriere; das Stadt-Land-Gefälle; das veränderte Leben nach dem Fall des Eisernen Vorhangs – das sind nur einige davon.

Zdenka Becker ist eine große Meisterin der Natur- und Landschaftsbeschreibungen sowie der Schilderung psychischer Zustände. Es ist ein Text voll menschlicher Wärme, der nie ins Pathetische abgleitet, ein wichtiges Stück unprätentiös erzählter Zeitgeschichte im "anderen" Europa, auch ein durchaus nicht alltäglicher Exkurs in die Zoologie…"Taubenflug" ist ein Roman von zeitloser Schönheit, erzählt mit feinem Gespür für gesellschaftliche Veränderungen und die Beständigkeit von Gefühlen.

Jelena Dabic, Literaturhaus Wien
17. September 2009

Und nur eine Brieftaube kam geflogen

Lovestory auf Distanz

Zdenka Becker, 1951 in Eger in der damaligen Tschechoslowakei geboren, 1975 aus Bratislava nach Wien gekommen und heute auf Deutsch schreibend, legt nach dem 2006 erschienenen viel beachteten Roman „Die Töchter der Róza Bukovská“ (Residenz Verlag) wiederum eine komplexe Mutter-Tochter-Geschichte vor. In dieser neuen Geschichte („ein Puzzle aus erfundenen Namen und Orten“, so die Autorin in einer Nachbemerkung, in der sie darauf hinweist, dass sie nicht autobiografisch ist) lässt sie also fantasievoll noch eine große Anzahl weiterer Personen im Umkreis der Mutter und der Tochter agieren.

... Die Tauben kamen vom jungen Pfarrer, der dafür besondere Dienste erwartete, die Daniel nicht erfüllte, sein Bruder jedoch schon. Als Daniel, mittlerweile bereits 17 Jahre alt, mit dem Pfarrer in Ungarn bei einer Taubenausstellung weilte, besetzten 1968 Soldaten des Warschauer Paktes die Tschechoslowakei (beeindruckende Schilderungen dieser dramatischen Tage!). Nach einer Woche kam der Pfarrer allein zurück – und keine Spur von Daniel, der vor den sexuellen Zudringlichkeiten des Pfarrers flüchtete. Lediglich eine Brieftaube aus seiner Zucht kam geflogen.

...  In dieser, sagen wir, den Umständen entsprechend umständlich und demgemäß gekonnt konstruierten Liebesgeschichte erzählt Zdenka Becker durchaus feinsinnig von der Beständigkeit von Gefühlen trotz aller gesellschaftlichen und geografischen Veränderungen und zeigt darüber hinaus diese menschlichen Gegebenheiten und den mitunter seltsamen Umgang damit wie auf einem erzählerischen Reißbrett lakonisch parallel zum Verhalten von Tauben. Und es ist natürlich sehr sympathisch, wie sie ihre Protagonistin eben nicht den „Taubeninstinkt“ in sich überlisten lässt. 


Georg Pichler, Die Presse - Spectrum,  9. Jänner 2010




... die hohe schriftstellerische Qualität, die Becker in "Taubenflug" an den Tag legt... Genaue Beobachtungen und Bilder wie "Der einzige bunte Fleck war ein Billa-Supermarkt, der in der trostlosen Gegend geradezu wohltuend rot-gelb funkelte" oder "Die deutschen Sätze, die wir laut lasen, trugen Spuren unserer Herkunft, waren Erinnerung an unsere Muttersprache, an unser früheres Leben" verleihen der Geschichte Authentizität. Zdenka Becker kennt sich mit menschlicher Bosheit aus, beleuchtet menschliche Abgründe und kann außerdem gut schreiben. Vergessen kann sie anscheinend nicht, und das ist auch gut so.
Rudi  Hieblinger, Neue Wiener Büchereibriefe 1/2009



Einprägsam, melancholisch und doch hoffnungsvoll beschreibt die Autorin die hartnäckige Verfolgung der großen Sehnsucht und Ziele der Protagonistin.Gespannt verfolgt der Leser das Streben des syphatisch beschriebenen Protagonistin, geleitet von einem unterschwelligen Optimismus.
Sonja Schmid, Borromäusverein, Buchprofile/Medienprofile 01/2010



Tauben gelten als besonders treue Liebhaber, die Paare bleiben meist ein Leben lang zusammen, der raffinierte Mensch nützt dies, indem er etwa die Brieftauben vom Partner trennt, so dass der getrennte Teil wie wild durch die Gegend fliegt und dabei die Post zustellt.
Zdenka Becker erzählt in ihrem Roman „Taubenflug“ von einer solchen treuen Liebschaft. Die Erzählerin Silvia und ihr geliebter Daniel verlieren sich zwar fast ein Leben lang aus den Augen, dennoch fliegen sie am Lebensabend aufeinander zu.
In einem slowakischen Dorf geht es auch im Kommunismus manchmal recht verbohrt und kleinkapitalistisch zu, zwei alleinerziehende Mütter versuchen einen Garten der Vorfahren irgendwie neu zu erschließen, indem sie ihre Kinder verkuppeln. Das gelingt nicht, weil die Liebe oft eigene Wege geht und zudem ein pädophiler Dorfpfarrer alles verunmöglicht, was halbwegs nach unschuldiger Erotik schmeckt.
Alle züchten Tauben und lernen dabei Liebe, Treue und Selektion, die untauglichen Zuchtergebnisse werden brutal abgemurkst.
Auch zeitgeschichtlich geht es drunter und drüber, im Kommunismus mit seinen permanenten Säuberungen kann es schon einmal vorkommen, dass der Henker und der Hinzurichtende aus dem selben Dorf stammen. Und 1968 bringt dann die Bruderhilfe des Warschauer Paktes die Freiheit in der Tschechoslowakei vollends zum Erliegen. Wer kann, flüchtet, so verschwindet der Geliebte während einer Taubenzüchtermesse, die Erzählerin sucht ihn in Österreich und Amerika, aber es gibt nur ferne Spuren und Erzählungen.
Als die Mutter der Erzählerin stirbt, tauchen ein paar zurückgehaltene Briefe auf. Selbstverständlich hat der Geliebte wie verrückt geschrieben, aber die Mutter hat alles unter den Tisch gekehrt und verleugnet. So wird der Abschied von der Mutter ziemlich herb, denn die Enttäuschung ist groß. Zudem überschlagen sich am Tag der Urnenbestattung die Ereignisse, denn auch die Freundin dreht wegen der ungemäßen Erbschaft durch und kündigt jegliche Freundschaft.
Die Erzählerin ist frei, alles aus der Vergangenheit ist aufgelöst, auch die politischen Verhältnisse haben sich verändert, aus dem ehemaligen Dorf ist längst eine Vorstadt voller Plattenbauten geworden.
Da kommt es doch noch zu einem glücklichen Ende nach treuer Art der Tauben.
Zdenka Becker erzählt eine komplizierte Liebesgeschichte, worin die edlen Begriffe durch Politik und Intrige auf eine harte Probe gestellt werden. Aber so könnte es sich zugetragen haben, tausendfach zwischen Ost und West. Die Figuren sind erfunden, schreibt die Autorin im Nachsatz, aber dennoch ist alles optimistisch und wahr.
Helmut  Schönauer, Buchkultur 01/2010

Vom Finden und Verlieren der Liebe erzählen


Ein einziger Tag in ihrer Kindheit entscheidet über den Rest ihres Lebens.

Ein Dorf in Tschechien, Ende der 60er Jahre. Silvia und Daniel verbringen jede freie Minute miteinander – im Taubenschlag des Pfarrhauses. Der Pastor hat den Teenagern die Pflege der Brieftauben anvertraut. Daniel erledigt diese Aufgabe so eifrig, dass sich das Mädchen zurückgesetzt fühlt. „Meine Columbina, mein Täubchen“, nennt er sie zärtlich, besänftigend.

Eines Augusttages begleitet Daniel den Pastor zu einer Taubenausstellung nach Prag, obwohl er zuvor einen schweren Vorwurf gegen ihn erhebt: Der Mann sei pädophil. Niemand glaubt dem Jungen.

Daniel kehrt nie mehr in sein Heimatdorf zurück. In Prag gerät er in den Sog des Volksaufstandes. Ihm gelingt die Flucht nach Österreich, später in die USA. Von überall schreibt er nach Hause, „seiner Columbina“, doch deren Mutter fängt die Briefe ab, weil sie der Tochter eine bessere Partie wünscht. Jahre später findet die Tochter Daniels Zeilen. Die tschechisch-österreichische Autorin Zdenka Becker legt mit „Taubenflug“ ihren dritten, eindeutig dichtesten Roman vor. Auf nur 200 Seiten entfaltet sie ein ganzen Universum und nutzt die Metapher der Taube geschickt als Bild, um Silvias und Daniels Befreiung zu schildern. Auch Silvia wachsen Flügel, sie zieht hinaus in die Welt.

Tanja Kasischke, Märkische Allgemeine, 9. Jänner 2010


Liebespuzzle

Nach „Die Töchter der Róza Bukovská“ (Residenz Verlag 2006) führt die österreich-slowakische Schriftstellerin Zdenka Becker die Thematik der Eltern-Kind-Beziehung fort. „Taubenflug“ ist wohl der bis jetzt gesellschaftskritischste Roman der Autorin. Detailreiche Alltagssituationen zwischen der Nachkriegszeit und dem Prager Frühling bis zur Grenzöffnung in den Westen und die Teilung der Tschechoslowakei in zwei unabhängige Staaten vermengen sich, wie selbstverständlich, in einer großartigen Liebesgeschichte. Es ist nicht nur die Politik, die unser Leben bestimmt, es sind vor allem die kleinen Dinge des Lebens, die uns zu jenen machen, die wir sind. Ein unbedeutender nichtiger Erbschaftsstreit um einen Garten, die Neugierde eines Kindes auf das Leben, die kleinkarierten Perspektiven der durchschnittlichen Bevölkerung, ihre Wünsche auf Verbesserung und Absicherung durch ihren Nachwuchs, die damit verbundene Unaufmerksamkeit der Eltern gegenüber den Bedürfnissen ihrer Sprösslinge, die Feigheit und das Schweigen eines ganzen Dorfes, die Schizophrenie zwischen dem Glauben an die katholische Kirche und der Hörigkeit gegenüber dem kommunistischen System, und schon haben wir ein Bild, welches im ersten Kapitel in einzelne Puzzleteile zerfällt und Stück für Stück in den folgenden 14 Kapiteln wieder zusammengefügt wird. Becker nimmt sich Zeit für vertraute, scheinbar nebensächliche Gegenstände, die unsere ideellen Werte ausmachen und uns damit nicht nur die Situation, sondern auch den Charakter der Figuren genauestens beschreiben. Sie gibt uns Zeit und bleibt dennoch minimalistisch. Die Kunst liegt darin das Nicht-Erzählte in den Köpfen der Leser zu nutzen, dann wird ein dickes Liebespuzzle zu einem leichten Taubenflug. Ein wahrer Lesegenuss.

Ingrid Reichel, @cetera, Oktober 2009


Slowakische Turteltauben

Zdenka Becker, 1951 in der Slowakei geboren, aber schon seit über 30 Jahren in Österreich, hat sich mit Romanen und Theaterstücken ihren respektablen Platz in der österreichischen Literatur verdient... Die leitmotivische Verknüpfung der Liebesgeschichte mit dem Taubenmotiv ist eine hübsche Idee: es gibt dichte, intensiv erzählte Passagen, und vor allem bietet uns Zdenka Becker etwas, was man bei österreichischen Romanen bisweilen vermisst: ein lebenssattes und lebenskluges Erzählen.... Prädikat Lesenswert!

(schach) Oberösterreichische Nachrichten, 23. September 2009


Zdenka Becker erzählt die berührende Geschichte einer Liebe, die sich gegen familiäre Hürden und politische Zwänge gleichermaßen behaupten muss.

Astrid Graf-Wintersberger, Welt der Frau, 1.12.2009


Der wunderbar klare Roman der gebürtigen Tschechin (mit Wohnsitz in St. Pölten) hat mich begeistert wie schon lange kein Buch.

LW, Wege, 1.11.2009

Frei wie die Tauben

Elternhäuser sind totbringend. Das Zitat von Thomas Bernhard, das die in Tschechien geborene und in St. Pölten lebende Autorin in ihren Roman "Taubenflug" einstreut, hat in diesem Zusammenhang nichts Zynisches. Es tut nur weh. So ergreifend und unerbittlich steuert die Geschichte um lebenslang unerfüllte, weil verhinderte Liebe einem tragischen Ende zu, dass man da nichts mehr zu erhoffen wagt für die tapfere, kluge Ich-Erzählerin Silvia. Konfrontiert mit Generationsproblemen, politischen Umwälzungen, Neid und Eifersucht, verschreibt sie ihr Leben - den Eigenheiten von Tauben. Und gewinnt.

CARO, Kurier,  28.11.2009



Da wünscht sich die beste Freundin eine Familiengeschichte, die nicht kitschig ist und trotzdem von Liebe und Selbstverwirklichung erzählt. Genau - Zdenka Beckers neuer Roman TAUBENFLUG passt haarscharf!

Plautz, Buchhandlung, 1.11.2009


Die Treue und Unzertrennlichkeit von Brieftauben als Symbol der wahren Liebe

Zdenka Becker entwirft ein düsteres Bild von der Vergangenheit ihres Landes, historisch eingebettet in die politischen Wirren der Tschechoslowakei in der Nachkriegszeit und die gewaltsame Niederschlagung des Prager Frühlings. Die geschilderten Lebensläufe sind von Armut, Resignation, Verzicht und der Unerreichbarkeit des Ersehnten geprägt; Todesfälle und Intrigen bestimmen die Hnadlung. Dennoch lebt in den Protagonisten der Wunsch nach einer glücklichen Zukunft unzerstörbar fort und entgegen allen schlechten Vorzeichen findet die Geschichte für Silvia und Daniel zu einem glücklichen Ende.

Stefanie Preiner, bn bibliotheksnachrichen,  1.3.2010


BECKER, Zdenka: „Taubenflug“, Picus Verlag, Wien 2009
Ein großartiges neues Buch von Zdenka Becker. Lange mussten wir Leser darauf warten!
Das Buch beginnt mit dem Tod der Mutter. Ein Thema, das jeden Leser berührt. Jeder – oder fast Jeder/Jede – wird mit dem Thema konfrontiert. Zdenka Becker beschreibt also nicht, wie sie selbst mit dem Tod ihrer Mutter fertig wird, sondern wie es allen Menschen dabei geht. Zur Vergangenheitsbewältigung gehört es auch, dass die Geschichte in der Stadt spielt, wo sie groß geworden ist: in Bratislava. Wenig später stirbt die Schwester der Mutter und zwischen diesen beiden Begräbnissen spielt das Buch und erzählt das Leben der Hauptfigur. Wie ihre Mutter ihr wegen eines Grundstücks einen Buben als Mann einreden wollte und den sie wirklich liebte hielt sie fern. Briefe aus der Ferne wurden unterschlagen und als ältere alleinstehende Frau liest sie diese erst nach dem Tod der Mutter. Dazwischen das Schicksal von Flüchtlingen. Vom Ostblock nach Österreich und den USA. Ohne kitschig zu sein hat das Buch aber ein Happy End: Silvia – so die Hauptperson – trifft ihren Daniel, der aus Amerika zurück gekehrt ist. Das Interesse an Tauben hatten sie ihr ganzes Leben miteinander verbunden. Oder war es doch die Liebe und die Tauben waren nur vorgeschoben?
„Vor dem Stephansdom tummelten sich unzählige Touristen und staunten in allen Sprachen der Welt über das großartige Bauwerk …“ (Seite 111)
„Eine Liebe ist mehr, als dass zwei Menschen miteinander gehen. Eine Liebe ist etwas Schicksalhaftes, sie ist eine Begegnung, die einem nur einmal im Leben passiert.“ (Seite 142)
„Ich gehöre zu jenen Menschen, die immer wieder an die Orte zurückkehren, wo sie einmal waren, wo sie aufgewachsen sind, wo etwas Entscheidendes in ihrem Leben passiert ist.“ (Seite 200)
„Inzwischen hatte ich gelernt, meine zerrissene Identität zu akzeptieren, ein Mensch ohne Heimat zu sein, reduziert auf das, was ich war. Ich bin mir selbst die Heimat …“ (Seite 152)

 Johann Günther, 20.09.2009, Internet
 

Ein sehr ansprechender Roman ohne erzählerische Experimente in flüssigem Stil, der sich für Treue, Hilfsbereitschaft, kurz alles Leben Fördernde einsetzt und übertriebenes Besitz- und Karierestreben kritisiert.  

Irmtraud Letzner, Bücher Bord, 1.12.2009


Turteltauben

No, das ist eine wirklich recht rührende Geschichte, vielleicht ein bisschen kitschige, doch jedenfalls geflügelte Liebesgeschichte, deren romantischer Beginn durch die Weltgeschichte jäh unterbrochen wird und die erst Jahrzehnte später ein glückliches Ende findet, und zwar an ihrem Ausgangspunkt.... eine von der Zeitgeschichte geprägte Lovestory, in deren Verlauf man zudem viel über die Technik des Taubensports und die Kunst der Taubenzucht erfährt.

David Axmann, Wiener Zeitung, 10.10.2009


Ein Liebesnest im Taubenschlag

...geht die Autorin Zdenka Becker an manchen Stellen mit der Selbstherrlichkeit des kommunistischen Regimes ins Gericht und beschreibt beispielsweise die Industrialisierung mit den Worten: "Der Fortschritt stank zum Himmel..." oder die Zeit vor 1968: (Wir) schritten zu Wahlurnen und wählten einstimmig den einzigen vorgeschlagenen Kandidaten, nahmen an den Feiern zur großen Oktoberrevolution teil, priesen die ewige Freundschaft mit der Sowjetunion, lebten zufrieden in der eigenen Schizophrenie,  etwas anderes zu denken als zu tun"... Dabei lösen sich die vorangegangenen Wechselfälle in einem furiosen Crescendo, mit dem ich nicht gerechnet hätte.

Christa Nebenführ,  Beste Seiten, Buch Wien 09, November 2009



„Die Töchter der Róza Bukovská“



... Ihr Buch ist für mich nach wie vor eines der wichtigsten Dokumente für die Zeit  nach der Wende und der Geschichte davor und außerdem eine überzeugende literarische Leistung... Mit einem herzlichen Gruß, Ihr Wendelin Schmidt-Dengler.

Aus einer E-Mail an die Autorin, 10.8.2007


Ich muss weit zurückdenken, eigentlich wohl ein halbes Jahrhundert, um einen ähnlichen, tagelang anhaltenden und dann bleibenden Leseeindruck in meiner Erinnerung wieder zu finden, wie den soeben genossenen in der Lektüre des kürzlich erschienenen Romans von Zdenka Becker "Die Töchter der Róza Bukovská". Denn ich habe nicht e i n e n Roman gelesen, sondern wohl zehn, nein, ich habe eine durch und durch vollständige und wahrhaftige Beschreibung und Deutung der Welt geschenkt erhalten: Die ganze Welt dreier Erwachsenengenerationen in der Slowakei des 20. Jahrhunderts. Und das will etwas heißen! ... Und so wie in diesem opus magnum, kann es nur eine Frau. Besser kann es nicht sein.

Matthias Mander, PODIUM, April 2007

 

Es ist ein gutgeschriebener und dabei nicht eitel überformulierender Roman, also ein echter Roman, kein Wortgeklingel, das sich als solcher ausgibt; er hat einen Sog und was mir besonders gefällt, ist dieser skeptische, fragende, neu ansetzende Erzählton, der die Dinge
nicht absolutistisch behauptet, sondern sie sich entwickeln lässt und auch genügend Freistellen überlässt, sodass der Leser nicht wie in einer Zwangsjacke durch den Roman geführt wird, sondern sich zu dem, was gesagt wird, auch seine Gedanken macht, Vermutungen anstellt. Kompositorisch finde ich ihn gelungen, und gerade auch den Einstieg, mit dem Prolog, finde ich sehr klug entworfen. Vom Thema her ist es endlich mal nicht dasselbe österreichische Gewirks aus Landes- und Familienbeschimpfung, und von daher denkbar interessant, weil originell und für die Leser, deren einer ich bin, eine neue Welt eröffnend.

Karl-Markus Gauß, E-Mail, 14.1.2006

 

Alle diese Innenansichten gelingen vor allem deshalb, weil Zdenka Becker auf theoretisches Räsonnieren weitgehend verzichtet; sie erzählt sehr nah an den Figuren, zeigt, wie sie in den ver­schiedenen Situationen agieren, und das Ergebnis ist spannend und im großen Bogen stimmig.

Evelyn Polt-Heinzl, Literatur und Kritik, Juli 2007

 

Der lakonische Erzählstil der Autorin ist durchsetzt mit berührenden und witzigen Passagen; und was das Schönste ist: Nach einem guten Drittel der Lektüre merken Sie, dass Sie neben der Lebensgeschichte einer slowakischen Familie auch einer Zeitreise durch die gesellschaftlichen Brüche und Wirrungen Osteuropas beiwohnen. Dieser unterlegte doppelte Erzählstrang weist die Autorin nicht nur als Könnerin ihres Fachs aus, er belegt auch, dass realistische Literatur in der Beschreibung kleiner und nur vordergründig unbedeutender Leben immer auch eine kollektive Erzählung über soziale Zusammenhänge einschließt. Das Kleine, unmittelbar Erscheinende und das Große, langfristig Wirkende gehen in diesem Buch in eine Symbiose ein. So kommt es, dass die aus der CSSR stammende Autorin auf eine meisterliche und uneitle Art eine Erzählweise aufnimmt, die in Österreich in den siebziger Jahren von Gernot Wolfgruber, Franz Innerhofer und Michael Scharang begründet wurde.

Erwin Riess, Augustin, 1.-15.8.2007

 

 

Dem Roman von Zdenka Becker eignet eine Stärke ganz besonders: dass er vorführt, wie wenig die Idee der lieben Familie unter Umständen hält, was sie verspricht, und wie absurd sich der Versuch ausnehmen kann, unbedingt an ihr festzuhalten… „Anpassen scheint überhaupt das Lieblingswort der Österreicher zu sein. Vielfalt war nicht gefragt. Im Gegenteil, die Menschen in Wien hatten Angst vor allem, was fremd war.“

Andrea Winkler, Die Presse-Spectrum, 20.1.2007

 

Zdenka Becker hat mit ihrem neuen Roman eine wunderbare Familiengeschichte mit vielen Verästelungen geschaffen, die die Wege dreier Frauen zwischen Ost und West in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts beschreiben… Z.B. erzählt unprätentiös, ohne jemals dramatisch zu werden, und dennoch so packend, dass man den Roman nicht aus der Hand legen möchte, bevor man ihn zu Ende gelesen hat.

Barbara Belic, ORF Steiermark, 9/2006

 

Unaufdringlich entwickelt Zdenka Becker eine Familienchronik aus der Nachbarschaft… Becker lässt die politischen Ereignisse von 68 peripher am Alltag der Familie vorbeiziehen. Die Politik hat doch einen bestimmenden Einfluss auf die Schicksale.

Inge Sperl, Der Standard, 21.10.2006

 

Schon auf den ersten Seiten tummeln sich in schwindelerregend hoher Anzahl die Namen der Menschen, die rund um „Die Töchter der Róza Bukovská“  (Residenz) eine Rolle spielen. Die hohe Kunst von Zdenka Becker: Es wird einem nicht schwindelig. Man muss beim Lesen keinen Stammbaum kritzeln, damit man den Faden nicht verliert. Der Faden ist so stark, dass man ihn nicht abreißen lassen will, das Buch am liebsten in einem Zug verschlingt.

Caro Wiesauer, Kurier, 14.9.2006

 

 

Ein Familienroman hinter dem Eisernen Vorhang… berührend und lebendig… Übergangslos gelingt es ihr, jede ihrer zahlreichen Figuren vorübergehend zum Protagonisten und Sympathieträger zu machen. So werden 410 Seiten sicher nicht lang… Die großen Ereignisse des kommunistischen Regimes in der Tschechoslowakei laufen nur im Hintergrund mit, die politische Situation ist jedoch ständig spürbar. Becker zeigt vielmehr die Auswirkungen auf die kleinen Leute, was den Identifikationsfaktor erhöht.

Österreich, Buch der Woche, 13.1.2007

 

Den Zerfall ihrer Familie kann sie ebenso wenig aufhalten wie die Zentralregierung das Auseinaderbrechen des Regimes. Bunte, lebendige Familiensaga.

Wiener Zeitung, 3.3.2007

 

Zdenka Becker beschreibt anhand einer slowakischen Familie, die sie über drei Generationen begleitet, mit großer Sachlichkeit und Präzision die tiefsten Gefühle zu denen Menschen fähig sind. Als Rahmen dient die politische und geschichtliche Lage der ehemaligen Tschecho-slowakei in den letzten 100 Jahren. Róza Bukovská, ihre drei Töchter Iris, Jasmine und Kamila, sowie ihre Ziehtochter Eva bilden die Hauptfiguren des Romans. Trotz chronologischen Aufbaus erweist sich die Geschichte als subtile Komplexität der Erinnerungen dieser Protagonisten.

Österreichisches Kulturforum Bratislava, 4/2007

 

Dieses Feed Back habe ich nicht sofort geschrieben. Erstmals ist es mir passiert, dass ich ein Buch gelesen habe und warten musste, dass ich wieder eine eigene Sprache hatte. Ich war tief beeindruckt. Für mich ist es eines der besten Bücher der letzten Jahre…Es ist wichtig, dass dieses Buch geschrieben wurde. Es behandelt einen Zeitabschnitt, um den es schade wäre, wenn er undokumentiert in die Geschichte einginge. Das Leben auf der Ost- und Westseite des Stacheldrahts. Die Vorstellungen der Menschen, die von Bratislava nach Österreich herüber schauen konnten. Die sich die wahre Realität nicht vorstellen konnten und jene, die es – wie Jasmine - geschafft hatten in den Westen zu heiraten, die nicht zugaben, dass es nicht so toll ist, wie es Zeitschriften und Filme vorgeben. Für Österreicher und alle die in dem Land wohnen sind diese Menschenschicksale vielleicht neue Erkenntnisse; ein anderer Blickwinkel.

Johann Günther, Internet, 2/2007

 

Kaum hat der Leser das Buch aufgeschlagen, befindet er sich in einer Zeitmaschine, die mit ihm Achterbahn fährt und ihn von der ersten bis zur letzten Seite in Spannung versetzt. Das Buch wird sowohl der Darstellung der Problematik der Emigration, wie auch der Psychoanalyse einer zerrissenen Familie gerecht. Zdenka Becker zeigt wie Politik unser Leben bestimmt und wie Familien zur ihrer Entstehung beitragen.

Ingrid Reichel, etcetera, 9/2006

Zdenka Beckers Roman ist in einfacher, unprätentiöser Weise verfasst und besticht vor allem durch die Klarheit und Treffsicherheit der Sprache. Themen wie Verlust der Heimat, die Auseinandersetzung mit der Muttersprache und die Vielschichtigkeit von Bindungen und Abhängigkeiten innerhalb einer Familie faszinieren und machen das Buch zu einem wahren Lesegenuss.                                                      

 Bibliotheksnachrichten, Barbara Tumfart, Oktober 2006

 

Und das ist das eigentliche Thema dieses absolut gelungenen Buchs. Das Wegbrechen oder Verschwinden aller, unzerbrechlich geglaubter Bindungen und die lebenslange Suche nach einer eigenen, in der Fremde und im Erwachsensein notwendigerweise neuen Identität…

Zdenka Beckers Sprache ist einfühlsam; langsam und vorsichtig tastet sie sich zu ihren Figuren vor und beschreibt in ihrem Namen Erfahrungen, von denen sie viele wohl selbst gemacht hat. Erfahrungen von Unterwegssein, das Gefühl der Fremde im eigenen Land und des langsamen Heimischwerdens im Fremden. Ein großes Buch einer großen Erzählerin.

Sandammeer, Winfried Stanzick; 12/2006

 

Zdenka Becker fabuliert diese Schicksale detailreich aus. Sie führt uns ins Idyll  real-sozialistischer Kleinbürgerlichkeit, aber auch ins Inferno nordamerikanischer Vorstadtidyllen. Die kräftigsten Konturen erhält Mutter Róza Bukovská, die sich von allen Seiten betrogen und ausgenützt fühlt, ihre Familienmitglieder gegeneinander ausspielt, bis nur noch Misstrauen und Missgunst herrschen. Was zu Beginn noch wie die zur Erzählform erhöhten autobiographischen Aufzeichnungen einer tschechoslowakischen Emigrantin wirkt, wird zu einem richtig spannenden Roman.

                                                                                  Büchereienportal, Rudolf Hieblinger, 12/2006

 

Zeiten politischer Umbrüche, Zeiten politischer Entwicklungen, Zeiten von Veränderungen in allen Lebensbereichen. Geschichtsbücher bergen Stoff zu Fakten und Vorgängen: klar und nachvollziehbar. Was dabei nahezu zwangsläufig auf der Strecke bleibt, ist die soziale und menschliche Seite hinter den Zahlen, sind die kleinen Details, so viel ausmachen, um „Nicht-Dabei-Gewesenen“ ein Verständnis zu ermöglichen, einen persönlichen Eindruck einer Zeit zu vermitteln. In eben genau dieser Richtung lässt sich "Die Töchter der Róza Bukovská" der slowakisch-österreichischen Schriftstellerin Zdenka Becker verstehen. Sie nimmt sich der politisch bewegten Zeit vom Ende des 2.Weltkriegs über die 1968er bis hin zu den großen Umwälzungen zu Beginn der 1990er Jahre an. Nicht minder ereignisreich ist der zentrale Handlungsort im Roman: die Slowakei -  durchzogen sowohl von Zeiten der politischen Abschottung wie auch Öffnung gegenüber dem westlichen Europa….So hat Zdenka Becker zwar ein Buch über Frauen und ihre Lebenswege verfasst, ihm jedoch auch sehr politische Züge gegeben, welche die Geschichten fesselnd gestalten, getrieben von der Neugier auf das „Weiter“,  „Wie“ und das „Warum“.

Naturabuchhandlung, 2/2007

 

„Good-bye, Galina“

 

Das fragliche Glück aus dem Internetkatalog.

Becker schreibt mit Liebe zu ihren Figuren, sie hat ein Gespür für Stoffe und… es gelingen ihr schöne, fast lakonische Sätze. Die Geschichten sind rundum gelungen, berühren und verblüffen, und selbst in den verschlosseneren versöhnen unerwartete Passagen. Eine Entdeckung

Erwin Riess Die Presse, Spectrum, 2.2.2002

 

Die Autorin erzählt erlebte Geschichten  so, als wären sie ihr genauso erzählt worden und sie nur die Vermittlerin, die hinter ihre Figuren zurückgetreten ist… Dass Becker ihre Figuren mag, wird spürbar, doch sie berichtet, ohne zu kommentieren, von unlösbar anmutenden Konflikten und existenzialistischen Grenzsituationen, die eine schmerzvolle Entscheidung fordern… Zdenka Becker erzählt Geschichten ohne Verweischarakter, sie stellt Dinge und Gefühle authentisch dar, doch vor allem schafft sie ein Bewusstsein für das Verhältnis zwischen Lebensinhalt, Lebensform und den Werten, die (bürgerliche) Lebensform zu konstituieren… Das Buch ist realistische Literatur im besten Sinn. Becker bringt Melodramen ohne Sentimentalität auf den Punkt, Poesie entsteht durch Verdichtung und Konzentration aufs Wesentliche. Das Lesen der spannenden Geschichten ist mitunter, als treffe man alte Bekannte, von denen man lange nichts gehört hat.

Andreas Weber, Literatur und Kritik, 9/2001

 

„Ich schreibe in einer fremden Sprache, die für mich zur zweiten Haut geworden ist“. Der Erzählband „Good-bye, Galina“ versammelt acht Geschichten über Identität, Heimat, das Ankomen und das Verlassen. Dies aus der Perspektive vorwiegend von Frauen jeweils verschiedener Herkunftsländer.

Mit zärtlicher Sprache, die deshalb keine schmutzigen realitätsnahen Ausdrücke scheut, erzählt Becker vom mühsamen Versuch, die eigenen Wurzeln mit den Spielregeln in einem „fremden“ Land zu verbinden. Das tut sie wunderbar unaufdringlich, mit viel Verständnis für ihre Figuren. Becker erzählt vom Verständnis nach Liebe, das oft genug an banalen Alltäglichkeiten, an Geldsorgen, der Bürokratie oder an vorgefassten Meinungen scheitert.

Oberösterreichische Nachrichten, (pic), 12.4.2001

 

sprachlich schöne, gesellschaftlich, sozial und politisch engagierte, aber auch niemals unangenehm betroffen machende erzählungen der hierzulande noch nicht angemessen bekannten österreichischen dramatikerin, lyrikerin und erzählerin zdenka becker. Ich habe mich immer wieder wiedergefunden in gefühlen ihrer figuren und die lebendige sprache von becker genossen.

Xóchil, Internet, 2006

 

 

„Das einzige Licht die Mondfinsternis“

 

Gepresst von Horizont und Erde

Sie schreibt über die Liebe, einen zentralen Gegenstand des Gedichts. In ihrem Poem begibt sie sich auf die Suche nach dem Geliebtwerden sowie Selberlieben und spannt die Intentionen in einen zeitlichen Rahmen, „gepresst von Horizont und Erde“. Ihre Verse sind wie eine „Verständigung der Lippen über den Wolken“, wobei der „Duft der Geschlechter“, die „Halsketten aus Tränen“ oder das „Leben aus zweiter Hand“ angesprochen werden. Und „manchmal wachsen“ die Liebenden „Ineinander wie ein Schrei“. Für ihre sachten und eindringlichen Liebesgedichte wählt Zdenka Becker den Siebenzeiler mit offenem Anfang. Jedes Gedicht beginnt mit drei Punkten und endet auf „ungeschriebenem Papier“, in der Unendlichkeit des Suggestiven.

Janko Ferk, Die Presse, Spectrum, 31.12.2000

 

Zarte Impression.

Das Beginnen und Vergehen einer großen Liebe in Lyrik zu fassen, ist riskant, weil dabei unweigerlich der Absturz  in den Kitsch droht. Fast noch schwieriger ist es, eine Sprache zu finden, die nicht medizinisch, nicht brutal und nicht verklärend mit dem Thema umgeht. Die St. Pöltener Autorin Zdenka Becker, bisher als Erzählerin und Verfasserin von dramatischen Texten hervorgetreten, hat sich an das Thema gewagt. Letzte Woche stellte sie ihren Lyrikband „Das einzige Licht die Mondfinsternis“ in der Buchhandlung Schubert vor.
… Dabei gelingen ihr intensive Bilder voller unsentimentaler Zartheit und unverbrauchter Kraft. Sie versteht es, die zarten Gefühlsschattierungen in immer neunen Sprachschöpfungen festzuhalten. Ihre vom Alltagsballast gereinigte Sprache erweist sich als adäquates Medium, mit dem große Emotionen zum Ausdruck gebracht werden können.

            Joseph Rain, Niederösterreichische Nachrichten, 29.11.1999

 

Die vorliegende Liebesgedichte zu besprechen erscheint mir als ein Verbrechen – ähnlich wie das Zerpflücken der Blumen mit der Frage: „Sie liebt mich, sie liebt mich nicht…“ Man müsste diese Gedichte einfach lesen! Nicht nur, dass es sich dabei um reine Gedankenlyrik im besten Sinne des Wortes handelt (wobei die Gedankengänge manchmal sehr überraschend sind), erinnern die jeweiligen Verse im Hinblick auf ihre Anordnung auch an visuelle Poesie, zumal einzelne Sätze auch innerhalb der Zeilen gespalten, also getrennt zu  und somit eine ähnliche Spannung hervorrufen, wie wenn Menschen, die zusammengehören, zunächst einmal zusammenfinden müssen. Die Texte erinnern aber auch an die Dogmen der konkreten Poesie, weil sie Gedichte sind, die nicht nur die Liebe zum Thema haben und diese beschwören, sondern selbst für jeden Leser zum Gegenstand der Liebe werden.

Vor einigen Jahren hat die damals mit ihrem Roman „Berg“, mit verschiedenen Erzählungen und Bühnenstücken bereits erfolgreiche Autorin noch beteuert und bedauert, dass sie keine Gedichte schreibe. Nun hat sie sich doch überwunden, wie der vorliegende Band beweist, und zwar in  einem derartigen Maße, dass mit ihr eine Lyrikerin auf den Plan getreten ist, die an die Großen dieses Genres würdig anschließt.

Friedrich Heller, Das Walviertel, 1/2000

 

 „Verknüpfungen“

 

Heute zeigt sich Becker als genuine „Geschichtenerzählerin“, die sowohl in der Epik als auch in Dramatik und Lyrik beheimatet ist. Die Werk- und Referenzliste ist mittlerweile lang…

Die zentralen Themen in Beckers literarischem Schaffen verweisen immer dabei im gewissen Sinne immer wieder auf ihre eigene Lebens-Geschichte zurück. „Ich schreibe über Verlust der Heimat, die Suche nach dem Ersatz, Auseinandersetzung mit der Sprache. Geschichten über Menschen vor dem Hintergrund der politischen Bewegungen.“

St. Pölten Konkret, 12/2001

 

Zdenka Becker erweist sich in diesen „Verknüpfungen“ als hellwache Autorin mit einer besonderen Sensibilität für die mannigfaltigen Probleme unserer Zeit.

Albert Janetschek, Literatur aus Österreich, 204/1996


Zeitlich sind die einzelnen Erzähltexte, deren Sprache nicht das Experiment sucht (sich aber in ihrer Realitätsbezogenheit, Direktheit und Ehrlichkeit als sehr leserfreundlich erweist), in die Vorkriegsepoche, die Kriegsjahre und ebenso in unsere Gegenwart einzuordnen. … So sind auch die Themen Beziehungsgeschichten, Darstellungen menschlicher Gefühle, aber auch Erinnerungen an Kindheit und Jugend, an Begegnungen von Mann und Frau, die sehr unterschiedlich gestaltet sein können.

Deprimierend wirkt das Erlebnis einer Vergewaltigung im Krieg, poetisch und lebensvoll hingegen die Schilderung einer sehr alten Frau, die über ihre Leidenschaft erzählt. Kritisch dargestellt wird die Nachkriegs-Doppelmoral Erwachsener einem heranwachsenden Mädchen gegenüber, einfühlsam und realistisch die Situation einer sich als „Häuselbauer“-Gattin verausgabenden Frau, schockierend fast die Lebensgeschichte einer jugendlichen tschechischen Prostituierten, die das große Geld zum Aussteigen machen will und HIV-positiv wird.

… Auf den ersten Blick wirken Zdenka Beckers Erzählungen „Verknüpfungen“ ungeordnet und nur lose verbunden, erst bei eingehender Lektüre lassen sie sich die vielfältigen und engen Webmuster der menschlichen Beziehungen in Gegenwart und Vergangenheit auch als Verknüpfungen der erzählenden Texte der Autorin erkennen.

            Christa Lang, Das Waldviertel, 2/1996

 

Die 19 inhaltlich ganz verschiedenen Kurzgeschichten sind in ihren Problemen  und Fragen, Emotionen und Betrachtungen einer modernen jungen Frau, die vieles erlebt hat, an der auch bitterste Situationen nicht spurlos vorbeigegangen sind. Dass Zdenka Becker auch diese klar und distanziert zu schildern weiß, ist ihr besonders zu danken.

Der geistig Schaffende, L.L.-St., Dezember 1995

 

Man muss es der Autorin Zdenka Becker lassen: Sie weiß, wie man gute Prosa schreibt. Ihr neuester Prosaband, der in der „Literaturedition Niederösterreich“ erschienen ist, besitzt erzieherisches Format und künstlerischen Schwung… Von der impressionistisch getönten Prosaskizze bis zur realistisch gestalteten Erzählung mit hochdramatischem Inhalt… - in allem, was die Autorin uns zu sagen hat, wirkt sie lebenswahr und überzeugend… Die Autorin bedient sich einer knappen, zeitgemäßen Sprache, die dennoch fähig ist, starke Gefühle und lyrische Stimmungen auszudrücken.

Von den beigefügten Darstellungen der Textilkünstlerin Snescha Horner-Draganowa geht ein eigenartiger, fast exotischer Zauber aus.

Albert Janetschek, NÖ Lehrerstimme, 4/95

 

„Berg“

 

Zunächst muss man den Mut hervorheben, mit dem die Autorin „heiße Eisen“ anpackt.  Konkret: die Beziehungen von Flüchtlingen aus den ehemaligen Ostblockstaaten zu den Österreichern; und noch brisanter: das Verhältnis von Tschechen und Slowaken zu den 1945 vertriebenen Volksdeutschen und umgekehrt.

Geschickt verknüpft Becker Rückblenden in die Zeit vor und um 1945 einerseits mit den Erfahrungen der Heldin als Flüchtling in Österreich, andererseits mit einer Beziehungsgeschichte, in der auch der geborenen Sudetendeutschen eine wichtige Rolle zufällt.

Beckers Sprache ist flüssig und nicht mit schwer verständlichen Passagen innerer Monologe befrachtet.

Im gegenwärtigen Zeitpunkt ist das Buch ein Stück gediegener Prosa: und es ist ein Versprechen für die künftigen Produktionen der Autorin.

Ernst David, Podium, 1995

 

Das große Talent der Zdenka Becker ist eben die Fähigkeit, das Tatsächliche im vollen Umfang sichtbar werden zu lassen, in einem über das Übliche hinausgehenden Maß miterlebbar.

Heinrich Eggerth, Morgen, 104/95

 

Dem Verhältnis der Sudetendeutschen zu den Tschechen, das von Unverständnis, Ungerechtigkeit, ja äußerstem Hass und Mord belastet war und es noch vielfach ist, kann man, nach dem Zusammen- und Aufbruch der östlichen Länder Europas , endlich offen begegnen, und es ist eine Slowakin, tschechischer Nationalität und österreichischer Staatsbürgerschaft, die dieses heikle Unternehmen sowohl in tschechischer als auch in deutscher Sprache gewagt hat, in einem Theaterstück und einem Roman. Ersteres wurde in mehreren, heute rein tschechischen Städten mit großem Erfolg aufgeführt.

Gottfried W. Stix, Die Furche, 6.10.1994

 

Das große Interesse besteht zu Recht. Abseits von politischen Klischees erzählt die Autorin eine interessante Geschichte, die durch die Auswahl von Perspektive und Hauptfiguren besticht.

Josef Rain, Niederösterreichische Nachrichten 29.3.1994

 

Was für den alten Mann das Meer, das ist für die junge Frau der Berg. Dabei steht der Titel des Buches nicht nur für Sysiphos’ Prüfstein als Gleichnis der schier aussichtslos erscheinenden Kampfes eines Menschen gegen sein Schicksal, sondern auch für jenen Grenzübergang, der lange Zeit als Tor zwischen zwei Welten galt und nun zum Durchlass einer neuen Art von Völkerwanderung wurde.

… Berg ist der authentische Bericht einer Frau, die politische Systeme, private Probleme und Sprachbarrieren zu überwinden hatte. Bravourös  schildert die in Eger geborenen und seit 20 Jahren in Niederösterreich beheimatete Autorin die Zustände und inneren Nöte der Ärztin Jana Horáková, die als Spitalsreinigerin den Einstieg in den goldenen Westen unternimmt, während sich ihr Mann nach der Ernüchterungskur im Flüchtlingslager von ihr und dem gelobten Land wieder in die alte Heimat „abseilt“. Eine Berg- und Talfahrt im Rahmen eines menschlichen Geschicks wird kaleidoskopartig mit ineinander greifenden Bildern dem Leser vor den Augen geführt.

Friedrich Heller, Literatur aus Österreich, 230/Juni 1994